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Sport für Frieden

Unser Projekt bringt Frieden und Sicherheit in ein südsudanesisches Flüchtlingslager
Foto: Jugendliche helfen im Projekt "Sport für Frieden" beim Aufbau einer Notunterkunft. Credit: LICHT FÜR DIE WELT

Jiji Stephen leitet unser Projekt Sport für Frieden im Südsudan. Wir haben sie gefragt, wie sich das Projekt über die Jahre entwickelt hat und warum es so wichtig ist, gerade in Flüchtlingslagern Gemeinschaftssinn und damit Solidarität zu fördern.

Was ist der Hintergrund des Projekts Sport für Frieden?

Im Südsudan gibt es derzeit 2,25 Millionen Inlandsflüchtlinge. Ich arbeite in einem Aufnahmelager in Mahad nahe der Hauptstadt Juba. Dort betreuen wir 12.000 Menschen aus verschiedenen Stämmen. Das hat immer wieder zu Gewalt und Rivalität geführt. Deshalb haben wir 2014 beschlossen, mit einem neuen Projekt einzugreifen - eben Sport für Frieden. Wir wollten die Kinder aus dem Lager zusammenbringen, damit sie den Erwachsenen ein Beispiel geben. Die meisten Menschen im Lager kennen einander ja nicht und leben nicht freiwillig zusammen. Das begünstigt Feindseligkeit und Gewalt.

Wie geht es Menschen mit Behinderungen im Flüchtlingslager?

Das Leben ist dort für alle schwer. Eine Behinderung zu haben, bedeutet zusätzlich noch, dass es viel schwerer wird, Zugang zu Hilfsgütern zu bekommen oder als Teil einer Gemeinschaft akzeptiert zu werden. Bevor LICHT FÜR DIE WELT sich hier eingebracht hat, haben die meisten Menschen mit Behinderung keine Unterstützung bekommen und sind einsam in ihren Notquartieren herumgesessen. Oder noch schlimmer: die Menschen müssen sich ihre Quartiere nämlich selbst bauen. Wer das nicht geschafft hat, dem hat das Dach über dem Kopf gefehlt.

Projekte wie unseres stellen einen Gemeinschaftssinn her. Der bewirkt, dass die Menschen einander mehr helfen und unterstützen, gerade in schwierigen Zeiten.

Wie funktioniert unser Projekt genau?

Sport für Frieden ist im Kern ein Jugendklub mit Fußball- und Volleyballmannschaft, der aber auch ein paar Hallensportarten anbietet. Damit holen wir die Kinder und Jugendlichen an Bord - auch die mit Behinderungen. Sie wachsen zusammen, helfen einander und auch anderen Menschen im Lager. Unser Fußballteam hilft Menschen mit Behinderungen beim Aufbau ihrer Quartiere und schreitet ein, um Verbrechen und Gewalt zu unterbinden. Es hat ein Jahr gedauert, bis das funktioniert hat. Am Anfang war das Misstrauen zwischen Kindern aus verschiedenen Stämmem sehr groß. Dann haben sie einander besser kennengelernt und sich angefreundet. 

Wenn ich mir jetzt anschaue, wie weit wir gekommen sind, ist das unglaublich. Vorher war Gewalt allgegenwärtig, und es war wirklich nicht leicht, das zu ändern. Ich bin sehr stolz, dass uns hier etwas gelungen ist, das andere Organisationen weltweit nachmachen und selbst anwenden wollen.

Welche Erfolgsgeschichte möchtest du uns erzählen?

Es gibt so viele davon, aber ich werde zwei erzählen.

Ich bin glücklich und auch stolz, dass wir Jundith geholfen haben. Während der Kämpfe 2013 hat er eine Kugel ins Bein abbekommen. Licht für die Welt hat ihn zur Operation nach Uganda geschickt. Nach seiner Rückkehr haben wir sichergestellt, dass er einen Schulplatz bekommt. Er ist jetzt sehr aktiv in unserem Sportprojekt und der Jugendgruppe. Er schaut auf die Sicherheit der Menschen im Lager und unterstützt Menschen mit Behinderungen bei ihren täglichen Anliegen.

Eine weitere Geschichte, die mich sehr berührt, ist die von David. Er hat an der Straße im Flüchtlingslager gearbeitet und ist in einen Motorradunfall verwickelt worden, der ihm beide Beine gebrochen hat. Fast ein Jahr lang ist er in seinem Zelt geblieben, weil ihm niemand helfen konnte.  Wir haben ihm zunächst medizinische Hilfe organisiert. Und jetzt ist er unser Fußballschiedsrichter. Er hat wirklich viel Spaß dabei, ist voll eingebunden und möchte später sein Hobby zum Beruf machen und internationaler Schiedsrichter werden.

Die Gesichter dieser Jugendlichen zu sehen, gibt mir jeden Tag Kraft. Der Unterschied zur Zeit vor unserer Projekt ist so stark merkbar. Wir haben das Leben dieser Menschen wirklich zum Besseren verändert.