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Gemeinsam gegen die Krise

Gespannt verfolgen unsere Expertinnen und Experten täglich die Entwicklungen in den Fokusgebieten in Afrika. Zum einen um weiter Menschen mit Augenerkrankungen und Behinderungen medizinisch versorgen zu können, vor allem aber aus Sorge, wie die Corona-Pandemie die Staaten mit ohnehin schon schwachen Gesundheitssystemen treffen könnte.

München, 23.03.2020 - Während hier in Europa die Corona-Krise auf einen möglichen Höhepunkt zusteuert, wurden aus einzelnen Ländern des afrikanischen Kontinents lange Zeit relativ geringe Fallzahlen gemeldet. Sich anhand dieser Zahlen ein Bild über die tatsächliche Lage des jeweiligen Landes dort zu machen, sei grundsätzlich wenig aussagekräftig, da ist sich Gesundheitsexperte und Vorstandsmitglied Franz von Roenne sicher.

„Aus solchen Ländern Zahlen zu bekommen, die für eine nachvollziehbare epidemiologische Systematik nutzbar sind, ist absolut unwahrscheinlich“ betont der von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entsendte Experte.  „Tests sind Zufallsgeschichten, vermutlich werden verdächtige Fälle beispielsweise am Flughafen bei der Einreise aus Europa oder China getestet oder in der jeweiligen Hauptstadt, sofern Tests vorhanden sind.“ 

Die Hoffnung liegt in der Erfahrung mit Epidemien 

Die Fachleute sind sich einig, dass man nicht genau vorhersagen kann, wie sich die Pandemie in den einzelnen Ländern des afrikanischen Kontinents entwickelt oder wie sich das Virus COVID-19 dort verhält. Die Infrastruktur und das Wissen, das während der Ebola-Epidemie seit 2014 aufgebaut wurde, könnte jedoch ein Schlüssel für die Bekämpfung sein nach Ansicht des Experten von Roenne. „Der Ausbruch von Ebola in Westafrika war eine Lektion in Ausbruch-Management für die ganze Welt.“ Auch wenn Ebola und Corona nicht direkt vergleichbar sind, weil das Ebola-Virus eine andere Dynamik und eine viel höhere Mortalität hat, seien die Maßnahmen doch ähnlich, erklärt Franz von Roenne: „Maßnahmen, die einen sehr viel größeren Aufwand oder eine sehr viel größere Umstellung erfordern wie zum Beispiel der Ausbau von Intensivbetten bei uns, sind dort nicht in skalierbarer Form machbar. Aber die Menschen in diesen Ländern haben gelernt, wie man Epidemien eingrenzt.“

Und die Maßnahmen ähneln sich. „Dazu gehört allen voran, die Bewegung gemeinschaftlich so einzuschränken, dass alle Menschen mitmachen. Sich gemeinsamen Einschränkungen zu unterwerfen und dabei für alle auch zu sorgen ist für arme Länder mit lebendigen, starken Gemeinschaften vielleicht einfacher als für komplizierte reiche Länder. Dort ist das öffentliche Leben weniger komplex und der Gemeinschaftssinn ganz traditionell ausgeprägt.“

Langjährige Erfahrung 

An genau diesem Punkt setzt LICHT FÜR DIE WELT an: „Unser Prinzip ist es, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den dortigen Gemeinden gemeinsam mit den Menschen vor Ort arbeiten und die lokalen Initiativen unterstützen,“ sagt Astrid Pietig, die Geschäftsführerin Deutschland. Die NGO kann auf mehr als 30 Jahre Erfahrung zurückgreifen im Kampf gegen Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Trachom, die Augenkrankheit, die weltweit für drei Prozent der Blindheitsfälle verantwortlich ist. „Die Lehren, die wir aus unserer Programmarbeit gezogen haben, gleichen den heutigen globalen Empfehlungen zur Bekämpfung des Virus. Nummer 1: Händewaschen. Nummer 2: Information ist der Schlüssel“, so Pietig. 

„Wir wollen den Moment nicht verpassen und unsere Erfahrung und unsere Strategien zusammen mit unseren Partnern einsetzen, damit diese Pandemie nicht eine tickende Zeitbombe für den Afrikanischen Kontinent wird,“ betont Pietig. „Daher ist uns wichtig, zunächst uns und unsere Teams zu schützen und gleichzeitig voll handlungsfähig zu bleiben, vor allem aber unsere Projektpartner bestmöglich bei der Durchführung von Präventivmaßnahmen zu unterstützen. Barrierefreie Informationen tragen dazu bei, Leben zu retten.“ Und Pietig fügt hinzu: „Wir setzen daher sehr darauf, dass die Menschen hier in Europa auch jetzt nicht auf die Ärmsten der Armen vergessen.“ 

 

Über Dr. Franz von Roenne: Der Mediziner Dr. Franz von Roenne engagiert sich seit 2019 ehrenamtlich im Vorstand von Licht für die Welt Deutschland. Der Gesundheitsexperte arbeitet derzeit für den Branchenverband Spectaris entsandt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Scout für Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums. Er war gegen Ende der Ebola-Epidemie selbst in den betroffenen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone und hat Projekte zum Wiederaufbau von neuen, resilienten Gesundheitssystemen konzipiert.